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Wie du zu viel Stress vermeidest

Wieso die Aussage „Ich bin gestresst“ von niemandem mehr ernst genommen wird und was du gegen zu viel Stress tun kannst.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Leistung gewürdigt wird. Damit meine ich nicht zwangsläufig, dass unsere Vorgesetzen unsere Leistung wertschätzen. Es ist leider vielmehr so, dass es generell angesehen ist, wenn wir etwas „leisten“. Und wenn es nur das bekannte Meeting-Gehopse ist. Stress kann dich dabei antreiben und zu besonderer Leistung befähigen. Wie Stress und deine Leistung genau zusammenhängt, erfährst du in einem weiteren Post. Das selbe Feuer, das dich befähigt Höchstleistung zu liefern, kann allerdings auch dazu führen, dass du ausbrennst.

Die Frage, die du dir viel öfter stellen sollten ist: Was kostet dich persönlich eigentlich unsere Leistungsgesellschaft?

Wenn du dir die aktuellen Zahlen anschaust, wird deutlich, dass psychische Erkrankungen mittlerweile die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit darstellen und die Zahlen für Burnout und Depressionen sich seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt haben und sie immer noch steigend sind.

Fast jeder kennt mittlerweile Menschen, die durch Stress von Burnout oder Depressionen betroffen sind. Egal aus welcher Bildungsschicht und welcher Branche.

Um zu verstehen, wieso Stress heutzutage so viele negative Konsequenzen nach sich zieht, lohnt ein Blick in die Vergangenheit. Genauer gesagt begeben wir uns in die Steinzeit. Wenn ein Neandertaler damals auf einen Säbelzahntiger getroffen ist, hatte er drei Reaktionsmuster, wovon er eine in Millisekunden benutzte, um die gefährliche Situation zu meistern. Entweder er hat angefangen zu kämpfen, er ist geflohen oder er hat sich tot gestellt.

Früher war eine gute Stressreaktion ein großer Vorteil, weil Menschen mit guter Stressreaktion überlebt haben.

Die ursprüngliche Aufgabe einer Stressreaktion ist es, unser Überleben zu sichern. Dein Gehirn ist auch heutzutage noch darauf gepolt, die negativen Sachen in deiner Umgebung möglichst schnell wahrzunehmen. Denn falls Gefahr droht, kann es in Minisekunden reagieren und damit dein Überleben und deine Gene sichern.

Das Problem ist, dass heutzutage natürlich ganz andere Gefahren auf dich lauern als damals in der Steinzeit. Freilaufende Säbelzahntiger, die dein Leben bedrohen, sind mir persönlich noch keine untergekommen. Dadurch, dass sich deine Stressoren verändert haben, bist du auch weniger gezwungen, dich körperlich aktiv zu betätigen. Durch das Kämpfen oder Flüchten konnten die Neanderthaler die Stresshormone Adrenalin und Kortisol abbauen. Dies tust du im Vergleich heutzutage wesentlich weniger. Dadurch können u.a. Krankenheiten wie Kopfschmerzen, Diabetes, Herzinfakte und Verdauungsprobleme, genau wie Libidoverlust oder Zyklusstörungen verursacht werden.

Dein Gehirn hat folglich kein Update ins 21. Jahrhundert bekommen.

Würden wir auf jede E-Mail, auf jeden Gedanken, auf jede Aussage von außen immer auf 180 hochfahren und kämpfen oder flüchten wollen, würde das a) unnötig viel Energie kosten und b) ist es meistens auch nicht sinnvoll oder förderlich.

Während Stress in der Steinzeit ein pures Überlebenstool war, gilt Stress heutzutage fast schon als Statussymbol.

„Ich bin gestresst“ ist eine Aussage, die nicht mehr ernstgenommen wird, weil wir alle diesen Satz schon unendlich oft genutzt haben.

Das liegt u.a. an unserer Leistungsgesellschaft, weil Leistung zu erbringen und Stress zu haben positiv verstärkt wird. Wenn ich dir erzähle, dass ‚ich letzte Woche unglaublich viel zu tun hatte, von Meeting zu Meeting gehetzt bin und kaum Zeit hatte Pausen zu machen‘ würdest du mir mit großer Wahrscheinlichkeit positives Feedback geben. Anders würde es aussehen, wenn ich dir erzähle, dass ‚ich letzte Woche eigentlich gar nichts gemacht habe‘. Du würdest mir nicht unbedingt negatives Feedback geben, aber trotzdem würde deine Reaktion anders ausfallen als bei dem ersten Beispiel. Im Umkehrschluss bedeutet es, dass wir, wenn wir Stress haben, überspitzt gesagt, etwas wichtiges zu tun haben und dadurch fühlen wir uns auch selbst wichtig. Und wir alle wollen uns wichtig fühlen.

Dazu kommt noch das soziale Spiegeln. Wir schauen unbewusst immer, ob das eigene Verhalten, dass wir an den Tag legen, ein richtiges oder ein falsches Verhalten ist. Wir streben danach, uns richtig zu verhalten und nicht negativ aufzufallen. Um unser Verhalten zu kontrollieren, brauchen wir eine Überprüfungsmöglichkeit und dies ist oft das Feedback von anderen. In der Kindheit waren es oft die Eltern oder andere Bezugspersonen bei denen wir relativ schnell verstanden haben, dass gewisses Verhalten gut ist. Mama und Papa belohnen uns, während anderes Verhalten sanktioniert wurde. Im Endeffekt reagieren wir auch heute als erwachsene Personen noch so.

Was jetzt passieren kann ist, dass du dir zu viel Stress aufbürdest, der dann nicht mehr gut für dich ist.

Auf Dauer kannst du dann deine Höchstleistung nicht mehr abrufen. In solchen Situationen kommt oft hinzu, dass du dir keine Zeit für Erholung nehmst, weil Entspannung und Erholung in unserer Gesellschaft eben nicht so gefeiert werden wie Stress. Das fleißige Bienchen ist momentan eben leider mehr wert als der faule Hund. Das Problem dabei ist, dass durch den oftmals andauerden Stress und die gleichzeitig zu geringe Erholung eine Abwärtsspirale entstehen kann, die zu Arbeitsunfähigkeit, Burnout und Depressionen führen kann.

Daher ist es wichtig, dass du ab und zu auf dich und deinen Körper hörst. Erlaube dir, auch mal nichts zu tun und runterzukommen.

Wie viel Erholung gönnst du dir?

Damit du weiterhin Höchstleistung vollbringen kannst und dich dabei auch gut fühlst, ist es wichtig, dir Zeiten für Entspannung und Erholung einzuräumen. Dies können u.a. lange Spaziergänge, ein schönes Buch, aber auch Saunabesuche oder Muskelentspannungsübungen (beispielsweise nach Jacobsen) sein.

Wichtig ist, dass du dir bewusst machst, wie viel Erholung du dir gönnst.

Steigst du öfter aus dem Autopiloten aus und tust dir selbst etwas Gutes oder funktionierst du nur noch?

Mir hat es damals geholfen, mich eine Zeit lang zu beobachten und jeden Abend kurz zu reflektieren, wie der Tag war. Durch diese Übung habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass ich so gut wie nie aktiv in die Erholung gehe. Um dies zu ändern habe ich anfangs Erholungszeiten in meinen Kalender eingetragen und diese dann bewusst genommen. Mittlerweile bin ich großer Fan vom Meditieren und tue dies täglich vor der Arbeit.

Wobei kannst du dich am besten entspannen?

Gib dir die mentale Erlaubnis auch mal wirklich für dich da zu sein und deinem Körper und deinen Gedanken eine wohlverdiente Pause zu gönnen!

Ich glaub an dich und du solltest es auch tun!

Deine
Jill ?

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